Persönlichkeiten aus den Dolomiten: Norbert C. Kaser

Dichter, Lehrer, Trinker, Provokateur - all das war er – einer der bedeutendsten Schriftsteller Südtirols.

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Kaser wird am 19. April 1947 in Birxen geboren; er wuchs in Bruneck auf, da sein Vater als Pförtner für die bis heute weit bekannte Tuchfabrik Moessmer arbeitete. Nach Abschluss der Pflichtschule besuchte er das Humanistische Gymnasium in Bruneck, wo er jedoch an der Maturaprüfung scheiterte. Dann verließ N.C. Kaser das Pustertal und arbeitete als Mittelschullehrer in Laas, im Vinschgau. Seine ersten Gedichte entstanden zu dieser Zeit; nach kurzem Aufenthalt im Kapuzinerkloster Bruneck, bestand Kaser dann im dritten Anlauf die Maturaprüfung. 

Erstes Aufsehen erregte der junge Kaser an einer Studientagung der Südtiroler Hochschulschaft, die in Brixen von Gerhard Mumelter organisiert wurde. Hier meinte er, dass 99% der Südtiroler Literaten am besten nie geboren wären, seinetwegen könnten sie noch heute ins heimatliche Gras beißen, um nicht weiteres Unheil anzurichten; im selben Atemzug rief er dazu auf, das Wappenzeichen der Südtiroler, den Tiroler Adler nämlich, „wie einen Gigger zu rupfen“. Die Entrüstung in sämtlichen Medien war groß. 1969 begann er sein Kunstgeschichtestudium in Wien, welches er nach zweimonatigem Aufenthalt in Norwegen abbrach. In seiner Heimat übernahm er anschließend Vertretungsstellen in mehreren (Berg-)Schulen des Bozner und Meraner Raumes, verfasste Kolumnen für lokale Tageszeitungen (stets kritisch) und reiste viel umher. 

Besonders in seinem letzten Lebensabschnitt war Norbert C. Kaser schwer alkoholsüchtig; mehrere Aufenthalte in Krankenhäusern und Nervenheilanstalten waren die Folge. Zwei Jahre vor seinem Tod wurde er Mitglied der Kommunistischen Partei Italiens und trat aus der katholischen Kirche aus. Am 21. August 1978 starb er im Krankenhaus von Bruneck an den Folgen einer Leberzirrhose; sein letztes Gedicht "ich krieg ein kind" beschreibt den Verfall seines Körpers kurz vor dem Tod.

Kaser gilt als ein sehr rebellischer, provokanter Südtiroler Dichter, der auch zu den Mitbegründern der Neuen Südtiroler Literatur der Nachkriegszeit zu zählen ist.  Weit über die Grenzen wurde er bekannt, er, der alles konsequent klein schrieb, der eine originelle, zeitkritische Sprache an den Tag legte und sich stets unbequem gegenüber politischen Missständen, Engstirnigkeit und Intoleranz seiner Mitmenschen zeigte – auch wenn ihm das viele Feinde einbringen sollte: Erst nach seinem Tod wurde er als bedeutendes „Kind der Stadt“ gewürdigt; der N.C.-Kaser Lyrikpreis wurde mit den Künstlern Paul Flora und Markus Vallazza eingeführt, anlässlich Kasers zehnten Todestags. Alle zwei Jahre wird der mit 6.000 Euro dotierte Preis verliehen. Die Stadtbibliothek Bruneck trägt nun den Namen N.C. Kaser, 2005 wurden 27 angerostete Stelen aus Stahl aufgestellt, auf denen mehrere Fragmente aus Kasers Texten zu finden sind. 


 

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